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Céad míle fáilte

Ein tausendfach herzliches Willkommen in Irland

Wenn Sie Lust auf Irland haben, wer-den Sie sich hier sicher wohlfühlen.

Für uns ist es die Sehnsuchts-Insel, die sehr viel mehr zu bieten hat als nur Grün, Golf und Guinness. Und für Sie?

Man sagt: „entweder man liebt diese Insel oder man kommt nicht wieder“. Andere sagen: „da wollte ich immer schon mal hin“. Und wiederum andere sind überzeugt: „ich komme immer wieder, es ist sozusagen zu meiner Seelenheimat geworden“.

Für all jene ist dieses Magazin gedacht. Wir von der Redaktion sind mit viel Liebe und Engagement dabei, Ihnen nicht nur die bekannten Highlights zu präsentieren, sondern all die anderen Dinge, die so genannten „Hidden Gems“; jene versteckten Besonderheiten, die man eben überall finden kann, wenn man weiß, wo sie sind.

Viel Vergnügen und slán

Jan O. Deiters

Das Online-Magazin für
die irischen Momente

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Irland für Zuhause

Mit Porträts, Hintergrundbe-richten, Empfehlungen, Ausflügen, Interviews. Historisch wie modern, im Rückblick wie auch aktuell.  Klicken Sie sich bald wieder hierher oder besuchen Sie uns auf Facebook.

Früher wie heute: Sessions in Irish Pubs

Patrick Steinbach erzählt von Momenten für die Ewigkeit

Kaum etwas begeistert die Touristen mehr als eine gute  Musiksession in einem irischen Pub. Keine Armeslänge entfernt greifen urplötzlich Menschen zu ihren Instrumenten und schaffen damit eine einmalige Atmosphäre. Traditionelle Musik ist immer noch fester Bestandteil irischer Sozialkultur, die sich auf sogenannter mündlicher Weitergabe gründet.

Nach einer schönen Wanderung am Strand oder in den Hügeln ist ein kleiner Stärkungstrunk stets willkommen. Mit etwas Glück gibt es abends sogar Live-Musik, was einen Tag an der frischen Luft perfekt abrundet. Der Pub ist das soziale Zentrum eines Ortes. Dort trifft man sich, tauscht sich aus und nimmt gemeinsam eine kleine Auszeit vom Alltag. Der Wirt kennt alle Menschen der Umgebung und wird speziell die Musiker zu sich einladen. Für eine kleine Gage, oftmals auch nur für ein paar Getränke, lässt er sie dort musizieren. Ein Schild vor der Tür "Traditional Music Tonight" zieht sicherlich etwas Publikum an.

Die Musiker, die sich dort treffen, sind im besten Sinne Hobbymusiker mit zum Teil erstaunlichen persönlichen Hintergründen. Farmarbeit und Flötenspiel schließen sich in Irland nicht aus. Viele sind sogar stolz, keine Noten lesen zu können, was sie wohl automatisch mit einem besseren Gehör auszustatten scheint.

Für sie steht meist der soziale Aspekt, das gesellige Treffen, im Vordergrund. Kaum ein Musiker, der traditionelle Sessions spielt, kann sich und seine Familie von der Musik alleine ernähren. Auch wenn der Staat Musiker vom Zahlen der Steuern befreit, leben viele von ihnen oft in prekären Verhältnissen. In den Sommermonaten können sie zwar fast jeden Abend irgendwo spielen, doch ist es außerhalb der Saison äußerst schwer, von der Kunst zu leben.














Traditionelle irische Musik gehört zu den wirklich anspruchsvollen und alles andere als leicht zu spielenden Unterhaltungsmusiken. Irish Folk kann ziemlich virtuos sein. Die Instrumente, die wir am häufigsten bei Sessions antreffen, sind Fiddle,  irische Traversflöte, Tinwhistle, Akkordeon, Gitarre, Mandoline, Banjo und die Bodhran. Das Erlernen eines irischen Tunes geschieht meist in der gleichen Runde, in der die Stücke auch vorgetragen werden. Die Regeln und Geheimnisse, nach denen Sessions abgehalten werden, sind für Außenstehende schwer zu durchschauen. Die Musikstücke werden nicht angesagt, irgendjemand beginnt mit einer Melodie. Nach und nach steigen die Musiker ein, die das Stück kennen. Viele spielen mit geschlossenen Augen und scheinen sich blind auf die Mitspieler zu verlassen. Die Melodien werden synchron mit kleinen Verzierungen gespielt. Meistens gehen Stücke nach dreimaliger Wiederholung nahtlos in das nächste  über. Das schnelle Synchronspiel scheint den Musikern viel mehr Spaß zu bereiten als ein vorher festgelegtes Arrangement einzuhalten. Es wird weder ein besonders stimmungsvolles  Ende dargeboten (Abschlag, Ritardando oder Ausklang), noch wird viel Wert auf Dynamik (laut und leise) gelegt. Das Miteinander ist stets wichtiger als die Darbietung. Insofern ist eine Session immer auch ein sehr intimer Kreis, dem man sich mit dem größtmöglichen Respekt nähern sollte. Musiker lieben einen ehrlichen Applaus, und sie mögen meist als Dankeschön kühle Getränke. Das Ausgeben einer Runde wird als willkommene Dankesbekundung immer akzeptiert.

Hat man nun als Tourist selber ein Instrument dabei, verfügt über ein kleines Repertoire an traditionellen Stücken und besitzt den nötigen Mut, dann sollte man sich zuerst beim Wirt erkundigen, ob es sich bei den Musikern um eine gebuchte Truppe oder um ein loses Treffen befreundeter Musiker handelt. Man sollte die Kunst beherrschen, Interesse zu wecken, ohne sich aufzudrängen. Nachdem man sich dem Wirt und den Musikern vorgestellt hat und höflich um die Erlaubnis des Mitspielens fragt, erhält man in der Regel aufmunternde Antworten. Die Musiker, die sich über jede Abwechslung freuen,  sind dann sehr gespannt, was der Fremde da zu bieten hat. Am besten, man beginnt dann mit einem allseits bekannten Stück, einer schönen Polka oder einem flotten Reel. Schnell merkt man, dass sich dieses Musizieren kolossal unterscheidet vom Spielen daheim. Urplötzlich ist man mitten hineingeworfen in einen lebendigen Schmelztiegel, ist Teil einer nach innen und nach außen offenen Gemeinschaft, man wird gesehen und gehört und erlebt ein einmaliges Miteinander. Kurz ist man selber der Mittelpunkt all des Geschehens. Manch zu spät gekommener Gast mag einen dann sogar für einen waschechten Iren halten.

Nach dem Spielen einiger Stücke sollte man sich für die Teilnahme an der Session bedanken und sein Instrument wieder einpacken. Wird man zum Bleiben und Weiterspielen aufgefordert, hat man die Feuertaufe bestanden. Wenn nicht, sollte man sich in der Nähe des Tresens einen schönen Platz suchen und alles Weitere aus gebührender Distanz verfolgen. Dort rückt man automatisch etwas näher zusammen, um einen guten Blick auf die Musiker zu erhaschen. Man steht in einem großen Kreis um den runden Tisch, der heiligen Mitte des Pubs und ist Teil eines wohlig warmen Ganzen. Ausgestattet mit den nötigen Getränken schaukelt man durch einen gemütlichen Abend und lässt sich anstecken vom Lächeln des Nachbarn.

Irgendwann legen die Musiker ihre Instrumente beiseite. Ein älterer Herr beginnt ein altes Lied auf Gälisch. Es wird totenstill. Wie aus einer anderen Welt kommen die Silben daher, die man nicht versteht, die aber eine ungeheure Bedeutung haben müssen. Ein unbegleiteter Song, eine gesungene Geschichte. Sie nennen es Sean Nós, die alte Art des Singens. Alle Gäste bezeugen ihren Respekt vor dem alten Mann und seinem Gesang mit Zuhören und Stillwerden.

Man betritt einen Pub als Fremder und geht im besten Fall als Freund. Diese wohlige Wandlung verdankt man oft genug der Geselligkeit stiftenden Wirkung der Musik. Doch kann man in Irland Sessions von sehr unterschiedlicher Qualität erleben. Die musikalischen Fähigkeiten sind durchaus  ungleich verteilt. Man trifft ebenso ehrgeizige Musikstudenten wie Feierabendspieler, denen das Schlagen von drei Akkorden reicht. Es gibt die Riege älterer Herren, die nie müde werden, die alten Stücke zu spielen, wie es die jungen dynamischen Nachwuchskünstler gibt, die mit Witz und Selbstbewusstsein neue Ideen und Klänge einbringen. Traditionelle irische Musik ist sehr offen und lädt ein zum Teilen und Teilhaben. Sicherlich darf man als Gast, der quasi umsonst ein kleines Konzert geliefert bekommt, keine allzu großen Erwartungen haben, schließlich ist man in einem Pub und nicht in einem Konzertsaal. Das Beste ist stets sich überraschen zu lassen. Dann kann bei einer irischen Session garantiert nichts schief gehen.

Mehr Infos über Patrick Steinbach auf seiner Website:

www.patrick-steinbach.de